Porträt Anne Gebhard

Frage: Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, was macht eine Diplom Grafik-Designerin?

Antwort: Die Bezeichnung meines Studienganges – visuelle Kommunikation – drückt es schon sehr präzise aus: Ich mache Informationen sichtbar und damit verständlich. Beispiele für diese Informationen sind Logo-Entwicklungen, die Gestaltung einer Internetseite, einer Unternehmensbroschüre, Buchgestaltung oder Informationsgrafiken … um hier eine Auswahl an möglichen Medien zu nennen.

Kernpunkt meiner Arbeit ist dabei der Design-Leitspruch – noch aus Studientagen an der Fachhochschule in Bielefeld – »form follows function forms fiction«. Konkret bedeutet dies für meine Arbeit, dass die Funktion (das Marketingziel) im Fokus meiner Arbeit steht. Für dieses Ziel wird das Design entsprechend ausgewählt und optimiert (Online- oder Printmedium, Material, Aufbau etc.). Passen Funktion und Design perfekt zusammen, entsteht darüber hinaus ein überzeugendes und positives Gefühl bei der Betrachtung oder Benutzung des Mediums. Anders gesagt: ein positives Markenimage.

Frage: Was ist dir in deiner rbeit wichtig?

Ich lege Wert auf eine ruhige, klare Gestaltung, welche die Informationen gut strukturiert und für den Interessenten einfach, angenehm und verständlich abbildet, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Da wir in einer Welt visueller Reizüberflutung leben und dadurch die Wahrnehmungsfähigkeit insgesamt flüchtiger wird, reduziere ich die Inhalte und das Design auf das Wesentliche. So lenkt nichts von den wesentlichen Informationen ab.

Frage: Warum hast du dich noch als Fachkauffrau Marketing weiter qualifiziert?

Antwort: Während meiner ersten Jahre im Beruf habe ich bereits viele Kundengespräche geführt. Dabei bin ich immer wieder an fachliche Grenzen gestoßen, wenn es um betriebswirtschaftliche oder absatzpolitische Themen  ging. Mit der Zusatzqualifikation habe ich diese Lücke für mich geschlossen und kann dadurch umfassend beraten. Schwerpunkt war für mich dabei die Kommunikationspolitik, da sich diese wunderbar mit meinem ersten Studium ergänzt.

Frage: Warum hast du dich nicht für die Arbeit in einer Agentur entschieden?

Antwort: Ich habe vor meiner Selbstständigkeit etwas mehr als 10 Jahre Erfahrung in verschiedenen Agenturen gesammelt. Vieles an der Agenturarbeit hat mir Spaß gemacht, insbesondere die Arbeit im Team. Aus familiären Gründen bin ich 2009 in meine Geburtsstadt Paderborn gezogen. Mit diesem Schritt stellte sich für mich die Frage, wie es beruflich weitergehen könnte. Ich habe dann den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt, da sich diese besser mit meiner Familie vereinbaren lässt. Zusätzlich schätze ich den direkten Kontakt zum Kunden und mich reizt die konzeptionelle, kreative Basisarbeit – beides war in meiner Agenturtätigkeit nicht immer möglich.

Frage: Warum dann die intensive Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern?

Antwort: Ganz einfach – ich kann nicht alles alleine machen und ich bin ein Teamplayer. Für mich ist die Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen das entscheidende Kriterium, um im Job gut zu sein. Ich kann nicht »nebenher« auch noch gut programmieren, fotografieren oder texten wie jemand, der genau das studiert hat und dies auch den ganzen Tag macht. Ich möchte ein optimales Ergebnis für meine Kunden. Das ist aus meiner Sicht nur im Team zu erreichen.

Frage: Du bist Mutter und Solo-Unternehmerin. Was sind deine Erfahrungen?

Antwort: Die ersten Reaktionen in der Gründungsphase waren entmutigend. Ich habe mich daher nur noch mit wenigen Personen abgestimmt, um mich auf meine Gründung konzentrieren zu können. Zusätzlich waren meine damals noch kleinen Kinder genau in der heißen Anfangsphase sehr viel krank und die Nächte entsprechend kurz. Das war sehr anstrengend. Ich habe aber einfach weitergemacht. Insbesondere mein Mann und meine Mutter, die damals noch lebte, haben mich in dieser Zeit toll unterstützt und ermutigt.

Mit der heutigen Erfahrung kann ich sagen, dass die Entscheidung zur Selbstständigkeit trotz der anfänglichen Herausforderungen für mich richtig war. Nicht nur Familie und Beruf lassen sich für mich optimal vereinbaren – auch meine Projekte sind durch den intensiven Austausch mit den Kunden inhaltlich spannender als während meiner Angestelltenverhältnisse.

Einige Solo-Unternehmer stellen sich in der Gründungsphase die Frage nach dem ›Ich‹ oder ›Wir‹ in der Außenkommunikation. Für mich war von Anfang an ein offener und ehrlicher Umgang mit meiner Solo-Teilzeitselbstständigkeit klar. Meine Elternschaft habe ich daher immer kommuniziert. Dadurch wurde mein Kundenkreis (leicht) selektiert. Der Vorteil daran ist, dass ich nur mit Kunden zusammenarbeite, die Verständnis für meine begrenzten Arbeitszeiten haben. Die meisten Kunden reagieren übrigens sehr gut auf meine Doppelfunktion. Alles in allem also ein positives Fazit!